Azoren-Gibraltar 26.6.-4.7.2019

Tag 1 Gestartet sind wir gemütlich nach dem Frühstück gegen 9:30 Uhr. Das Wetter sollte uns kein Kopfzerbrechen bereiteten und der Autopilot hoffentlich auch nicht.
Mit gutem Wind aus NNW und 15-20 Knoten umrunden wir Pico um dann zwischen Terceia und Saò Miquel in Richtung Gibraltar zu kommen.
Hinterm Pico ( so auch der Name des großen Vulkans) gab es dann null Wind null Wellen aber dafür Walbeobachtungsboote für Touristen. Aha, hier müssen also welche sein. Also schön aufpassen und keinen anfahren!!
Erst als alle Schlauchboote mit Touristen weg waren hat sich ein Ozeanriese gezeigt. Aufgetaucht, Luft geschnappt, mit der Schwanzflosse gewunken und abgetaucht! Einfach unglaublich schön die Tiere.
Der Wind kam dann aber auch gleich als Fallwind vom Berg und legte Mr. Grey kurz flach. Vorsegel rein und Reff ins Groß damit wir nicht nochmal so überrascht werden. Den kompletten Tag und die Nacht hatten wir dann 17-20 Knoten Wind und 2,5 Meter Wellen von der Seite. Ich machte mir Sorgen um den Autopiloten. Der muckte nicht einmal! Janno hat alles gut hingekriegt. In der Nacht hatte ich zum ersten mal so was wie Seeübel. Aber nur weil wir so schräg durch die See flogen und der Mond sich so gar nicht sehen lassen wollte. Dann spielt das Gehirn verrückt weil man eben schräg liegt. Beim Schichtwechsel wars dann wieder weg😝😥
Wir haben unsere Fischreipläne etwas auf Eis gelegt. Die einzigen die sich für unsere Köder interessieren sind die Seevögel von den Azoren. Immer wieder attackieren sie unsere Köder. Mit viel Geschrei wollen wir sie verscheuchen doch das schert sie gar nicht. Also Abbruch der Aktion.
Für die kalte Überfahrt habe ich mir überlegt einen schönen Eintopf zu machen. Ne schöne heiße Suppe ist genau das was wir brauchen. Wir sind beide recht durchgefroren trotz unserer Segelklamotten. Dann dümpeln wir den Tag so dahin. Rechtzeitig zur Nacht dann bekamen wir einen Squall der unsere ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Da wir uns ja um den Autopiloten sorgten. Aber der machte schon wieder komische Geräusche.
Auf dem Radar erschien dann noch ein Schiff das ohne AIS unterwegs war. Das ist aber ohne Sichtkontakt wieder verschwunden wie aus dem Nichts……
Tag 3 verging ohne besondere Ereignisse. Wir mussten am Nachmittag schon den Motor anschmeißen weil der Wind so nachgelassen hat, dass die Segel nur rum schlugen. Das nervt und macht die Segel kaputt. Dafür war die Nacht schön ruhig und der Schlaf erholsam.
Tag 4 Der Tag war komplett windstill. Das Wasser so ruhig wie auf unserer ersten Überfahrt ab Kapverden. Samtteppich hatte ich es damals genannt. Genau so war es den ganzen Tag. Jeder Krümel konnte man auf dem Wasser erkennen. Und dann schwamm da ne Schildkröte…. blubberte vor sich hin… das war es aber auch schon vom Tierreich. Ein Badelatschen trieb voll mit Muschelbewuchs an uns vorbei, sozusagen ein Miniriff, neue Heimat für tausende Lebewesen.
Am Abend haben wir es uns dann mit Mikrowellen Popcorn und Actionfilm gemütlich gemacht. Mit Motor laufen birgt auch Vorteile 😃
Tag 5 So muss das Leben auf einem Motorboot sein. Die ganze Nacht und den ganzen Tag tuckerten wir mit 3-4 Knoten auf dem Atlantik als wäre es die Mecklenburgische Seenplatte. Zwischen Kartenspielen und Sonne genießen kleine Nickerchen einlegen, das war sehr gemütlich. Doch wirklich voran kommt man nicht.
Auf den frühen Abend stellte sich dann doch noch der angekündigte Wind von NNW ein und wir konnten endlich den Motor aus schalten. Eine angenehme Ruhe ohne das tuckern des Motors und dann bekamen wir noch eine schöne Sternennacht.
Tag 6 Der Tag begann vielversprechend… Sonne und leichte Brise aus N! Mit gemächlichen 5 Knoten liegen wir im Cockpit und spielen Karten. Janno ist schon ganz genervt von meiner Spielsucht😂
Tag 7 Die Leute von Wetterwelt hatten eine Änderung der Bedingungen vorausgesagt. Gegen Mittag solle der Wind allmählich zunehmen und bis zum Abend dann Windstärke 6😬
Dann erklingt das sehnsüchtig erwartete Geräusch der Angelschnur… rrrrrrrrrhhhhhh! Fisch Alarm!
Und das mit über 7 Knoten Geschwindigkeit! Das muss ein Jäger sein. Und tatsächlich hat ein Thunfisch angebissen. Nicht der Größte aber immerhin! Nach dem filetieren ab ins Eisfach.
Jetzt noch schnell Segel wechseln damit uns der Starkwind der kommen soll uns nix anhaben kann.
Das 2.Vorstag hat sich bewährt. Wir können es abbauen und montieren in Minuten. Das quietsch orangene Sturmsegel ist auch schnell gesetzt und wir waren noch nicht mal wieder richtig im Cockpit frischte der Wind ganz schön auf. In Nullkommanix hatten wir die 6 bft und Wellen um die 3 Meter. Das ging die ganze Nacht so weiter und soll wohl bis zum übernächsten Tag so bleiben. Tendenz stärker……
Tag 8 Diesen Tag und die Nacht möchte ich mal als die anstrengendste bezeichnen von dieser Etappe. Die Windgeschwindigkeit nahm noch mal zu und über Stunden kämpften wir mit 30 Knoten. Sturmsegel perfekt, aber die Wellen waren doch ganz schön hoch von der Seite. Also auf und nieder immer wieder…..🎶
Dazu das Klack Klack vom Autopiloten 🤨Mama mia!
Aber trotzdem haben 2 Fische gebissen die nach kurzem heftigen Kampf gewonnen haben.
Tag 9 Der Wind lässt erst zum Nachmittag nach, dann bricht er sogar ganz weg. Wir starten den Motor und Mr.Grey rauscht auf der Strömung mit 10 Knoten Richtung Gibraltar. Die Ankunftszeit berechnet unser Bordcomputer immer wieder neu, da wir schneller als gedacht unterwegs sind. Wenn wir Glück haben und schnell anlegen schaffen wir es noch zu unserem Lieblingslokal auf ein schönes Bierchen und leckere Meeresfrüchte. Das war der Plan und wir konnten ihn umsetzen.
Allerdings hatte Janno beim bergen vom Spiebaum einen kleinen Unfall. Der Baum ist auf seine Hand gefallen. Dem Wikinger hat es ganz schön die Tränen in die Augen getrieben. Mein armer Schatz…. Wenn wir am vorläufigen Zielhafen ankommen müssen wir gleich mal checken lassen.
Die beiden Autopiloten werden dann nach Dänemark geschickt, damit die mal schauen was da so ein Lärm macht.
So nun haben wir unsere 2.Atlantiküberquerung hinter uns, sind mega stolz und schauen auf runde 20.000 Seemeilen in zwei Jahren zurück. Das macht man nicht eben mal so…das waren harte Tage und Nächte aber überwiegend schöne Zeiten auf die wir zurückblicken können. Das Beste waren die Menschen die wir auf unseren Reisen kennen- und lieben gelernt haben. Auch nicht zu vergessen, wenn dir dein Nachbar nicht gefällt holst du dein Anker hoch und bist weg! Hahaha so einfach lässt sich das mit dem Haus nicht bewerkstelligen ….
Definitiv sind wir mit segeln noch nicht fertig. Da gibt es noch viel zu sehen und wer weiß vielleicht machen wir auch noch ne Runde???? Der Plan ist: keinen zu haben!

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