Bermuda-Azoren 1.6.-12.6.19

Tag 1:
Heute soll es also losgehen… früh um 7 Uhr setzt Janno das Groß um zu sehen wie das neue Fall sich anlässt. Das Segel lässt sich gut aufziehen und sitzt zum ersten mal an der richtigen Position… die Klampen halten wie nie zuvor. Beim bergen rauscht es nur so runter. Sekundenschnell verschwindet es im Lazypack ( Segelsack) hat es so auch noch nie gemacht. Sonst musste Janno immer nachziehen wenn es gerade mal auf die Hälfte runter kam. Also alles in allem ein voller Erfolg und wir können unser Schlauchboot endlich an Bord holen und verstauen.
Bei einer schnellen Tasse Kaffee denke ich so bei mir: was für ein Galama hatten wir alle gemacht als wir von Teneriffa aufgebrochen sind? Das ganze Theater um die Lebensmittel und die Gedanken was brauchst du noch alles???? Man wir immer relaxter… diesmal hatte ich nur frisches Obst und Gemüse gekauft. Wir haben schließlich immer noch Büchsen aus Deutschland und Teneriffa 😂
Da wäre eine Dose Jensens Ochsenschwanzsuppe die ich ungelogen von Deutschland nach Spanien mitgenommen habe, weil ich dachte so ne gute Suppe tut auf See mal gut😂
Die schlummert immer noch in den Vorratskisten und ist in meiner Lager App ( sowas gibt es wirklich) als das älteste Produkt vermerkt. Mal sehen wann es die gibt😂
Bei Customs ausgecheckt und Steve und seiner Frau noch schnell Tschüss gesagt ging es los mit unserer Atlantik Überquerung zurück ins Mittelmeer. Die angesagten 4-5 Bft aus SSW ließen uns übers Wasser gleiten und der ganze Ärger mit dem Anker war verflogen. So ging der Tag rum wie nix und wir genossen jede Minute. Irgendwann am Nachmittag entdeckten wir ein Segelboot auf dem AIS. Exakt auf unser Linie, gleicher Kurs nur etwa 3 Knoten schneller ( war ja auch 26 Meter Yacht). Wir beobachten das Schiff bis sie uns fast eingeholt hatten. Allerdings war es da schon dunkel und wir versuchten immer zu sehen auf welcher Seite sie uns überholen wollen. War schier nicht möglich zu sehen. Mal sahen wir grün für Backbord Überholen manchmal rot für Steuerbord. Es wird einem etwas mulmig wenn man von hinten angefahren wird. Ich meine der Ozean ist ja wohl groß genug! Und warum ausgerechnet direkt auf unserem Kurs?? Doch Piraten?? Urgh!! Als sie dann auf 3 Seemeilen fast an unserem Heck klebten funkte Janno mal durch…. wo denn Bitteschön sie uns passieren wollen. Ach Backbord Seite, danke Jungs aber haltet doch bitte mehr Abstand. Mit 19 Metern zwischen unseren Booten überholten sie dann. Auf See eine sehr enge Angelegenheit, ich meine Muss das sein?? Da geht einem die Geschichte durch den Kopf mit der Fähre in Budapest. Einfach aufgefahren und platt gemacht. 😫
Tschüss bis zu den Azoren funkten sie uns noch, na die schauen wir uns genau an😏
Tag 2:
Die Segelbedingungen sind an Tag so gut, dass wir konstant mit 9-10 Knoten voran kamen. Zugegeben in der Nacht sind solche Geschwindigkeiten in Verbindung mit dem Brüllen der Wellen keine Angelegenheit für Weicheier. Man braucht Nerven😉denn wie ich schon einmal beschrieben habe ist es wie blind mit 180 km/h über die Autobahn zu fahren. Ok, hab ich zwar noch nie gemacht aber die Vorstellung reicht.
Deshalb war an Schlaf auch nicht wirklich zu denken… kann man ja tagsüber nachholen.
Unser Meteorologe von Wetterwelt ( versorgt uns mit Wetterdaten und Routenvorschläge) schrieb in seiner Mail: morgen gegen 6 Uhr UTC kommt die Front recht nahe. Schauer und Gewitter werden achterlich auftauchen. Und so war es dann auch. Im Dunklen wunderbar zu sehen das Lichtspektakel am Horizont. Gut, dass wir so schnell waren und dem Unwetter davon gefahren sind.
Tag 3:
Normalerweise sitze ich mit einer Tasse Kaffee und denke über den vergangenen Tag nach. Frage auch Janno nach dem Highlight des letzten Tages. Na ja für gestern habe ich mal wieder für eines gesorgt 😏. Da wir auf einer Backbord Halse fahren liegen die beiden Badezimmer mit den Borddurchlässen immer im Wasser. Das kann dazu führen, dass man über die Toilette oder das Waschbecken Seewasser aufnimmt und kann zu unangenehmen Wasserlachen führen. Um das zu verhindern schließt man die Seeventile während der Fahrt. Bei Benutzung sollte man dann wieder öffnen. Die Dusche in unserer Kabine befindet sich auf der Steuerbord Seite und wie ihr richtig ahnt hatte ich es verpennt das Ablaufventil zu öffnen. Also der Vorgang ist folgender: das Abwasser läuft in ein Behältnis das mit einem Schwimmerschalter ausgestattet ist. Der nach Füllgrad des Behälters anspringt und die Ablaufpumpe transportiert dann das Abwasser nach draußen. Da ich die Pumpe gehört hatte war ich mir sicher, dass das alles in bester Ordnung ist. Frisch geduscht und gut gelaunt marschierte ich nach oben ins Cockpit um mein Kapitän abzulösen. „Ich hoffe du hast das Ventil geöffnet ?“ Häh? Welches Ventil? Hab doch geduscht? „Na daaas der Dusche????“ Ohhh neee….ich sah mich schon wieder auf den Knien Wasser aufsammeln an den unmöglichsten Stellen😫aber es kam noch schlimmer… die Ablaufpumpe ist durchgeschmort und es stank gar fürchterlich nach Elektrobrand🙄. So eine schöne Sch….! „Janno aber warum ist die Sicherung den nicht gegangen?“ fragte ich in mit meinem naiven Halbwissen von Elektro keinen blassen Dunst. Naja die Diskussion erspare ich euch aber ihr könntet sie glaube ich blind nachsprechen😂
Tag 4:
Für den Tag 4 gibt es nichts außergewöhnliches zu berichten. Alle Systeme laufen wir machen gute Geschwindigkeit und Wetter ist beständig. Rundum zufrieden. Am Nachmittag habe ich uns dann ein Bananen Split serviert mit schön dick Sahne und Schokosauce😜so lässt es sich aushalten 👍
Tag 5:
Wir kommen dem Hoch immer näher und müssen, um noch etwas Wind abzubekommen den Kurs leicht ändern. So können wir aber unsere beliebte Wing-Wing Segel setzen und kommen trotzdem recht ordentlich voran. Der Wind flacht auf 2-3 bft ab morgen soll es noch weniger sein. In der Nacht erscheint wieder ein Segelboot auf dem Schirm mit uns kreuzendem Kurs. Es dauerte ewig bis sich unsere Wege wieder auseinander dividierten. Die sind sicher auch auf dem Weg zu den Azoren
Tag 6:
Das erwartete Hochdruckgebiet und die dazugehörige Schwachwindphase hat uns dann doch voll erwischt. Wir segeln nicht wir gondeln nur langsam rum.
Das könnte aber fürs Angeln ein Vorteil sein also haben wir beide Leinen ins Wasser. Janno die Rolle an der Reeling und ich meine Plastik Rolle mit Gummisicherung damit die kein Fisch mitreißen kann. Wobler ( sieht aus wie ein kleiner Hering) gegen Gummitier ( kleiner blauer Squit)
Der kleine Wettstreit endet mit einem Haibiss am Wobler- Plasiktollenteam und das war es dann auch schon. Was man sagen muss ist, diese Gummisicherung war voll am Anschlag und Janno hat sich ganz schön den Finger angeschlagen als der große Unbekannte den Wobler mit in die Tiefe riss…. die 1 mm Angelschnur war einfach durchgebissen🤨
Also es steht immer noch Unentschieden und morgen soll es weitergehen.
Zur Nacht hat sich der Wind da fast vollständig verzogen und wir mussten um 3 Uhr in der Nacht den Motor starten. Besonders nervig, weil ja dann auch die Segel zu bergen sind. Und das müde und im Halbschlaf. Da war es nur gut, dass es null windig war…
Tag 7:
Der Tag verlief ganz gemächlich ohne große Ereignisse. Wind und Sonne waren beständig bis in den frühen Abend. Dann mussten wir wieder die Maschine anwerfen, dafür konnten wir aber einen Film anschauen. Auch mal ne Abwechslung 😜
Am Nachmittag hatten wir eine Wal Sichtung, der aber ganz alleine unterwegs war. Immer beeindruckend diese Tiere. Mit Hochdruck bließ er die Wasserfontänen in die Luft. Auf unserem Weg haben wir hier aber auch schon drei Wetterbojen gesichtet. Jedesmal wenn wir eine sehen frage ich mich was ist wenn wir die Nachts an- oder umfahren?? Nur ein Knall oder kann mehr passieren?? Janno beruhigt mich dann immer und sagt die Wahrscheinlichkeit ist so gering….. na dann hoffe ich mal, dass er recht hat!!
Tag 8:
Heute hat sich der Wind auf 3-4 bft eingependelt und wir entspannen bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Die tropisch heißen Tage von der Karibik oder Südamerika sind nun endgültig vorbei. Das Wasser misst nur noch 21,5 Grad Celsius die Luft um die 21 gefühlt im Wind eher wie 15-18 Grad.
Azoren sollen wohl Nachts recht kühl sein. Bin ich gar nicht mehr gewöhnt.
Unser frische Vorrat neigt sich nun ganz langsam dem Ende zu, hoffe es reicht uns noch für jeden Tag etwas zu haben. Den Blumenkohl den ich auf Bermuda für sage und schreibe 13.99 Bermuda Dollar erstanden habe, wurde in drei Teile geschnitten. So hatten wir länger was von Goldenkohl🤨. Vegetarier müssen auf Bermuda wirklich tief in die Tasche greifen. Ich glaube deshalb gibt es dort so wenige😜
Auch heute haben wir wieder eine Walsichtung gehabt. Zudem sind Delphine oder Tümmler ( kann die immer nicht unterscheiden) zu Besuch gekommen. Später haben sie dann gemeinsam Heringe ( oder ähnliche Fische) gejagt, da hat das Wasser gerockt!! Nun weiß ich auch warum wir noch kein Anglerglück hatten. 😉
Es steht immer noch 0:0….
Tag 9:
Wetterwelt hat uns ein wenig im Stich gelassen. Laut deren Vorhersage sollten wir Schwachwind bis Flaute bekommen. Da wir nichts gehört hatten haben wir uns über SSB Radio noch selbst einen geholt. Das war nun gar nicht was uns vorausgesagt worden ist. Im Gegenteil Wind bis zu 35 Knoten. Na da wird wohl Pfingsten nicht gearbeitet 🤨lassen die sich aber teuer bezahlen.
Der Wind legt zu und der Angel Wettstreit wird beendet. Keine Chance wenn man mit 9,5 Knoten durchs Wasser schießt.
Tag 10:
Mitten in der Nacht, von Tag 9 auf 10, schreckt uns ein lautes Pfeifen auf. Wie von Geisterhand segelt Mr. Grey einen falschen Kurs. Das Pfeifen kam vom Autopiloten der sich verabschiedet hat. So ein Scheißdreck! Ab sofort nur noch Handsteuern möglich. Das heißt 24 Std nonstop am Ruder. 450 Meilen haben wir zu dem Zeitpunkt noch vor uns. Na Post Mahlzeit und gut Nacht Marie um 12!!
Mit 30 Minuten Schichtwechsel starten wir unser Programm. Gegen 7 Uhr in der Früh ruf Janno ganz aufgeregt ich solle kommen. Da hätten wir beinahe 2 schlafende Wale überfahren!! Meine Güte das hätte uns noch gefehlt. Aber war trotzdem schön sie so nah zu sehen. Der Tag verging wie im Flug und die Nacht konnte kommen.
Tag 11:
Die Nacht war doch sehr anstrengend mit den 30 Minuten abwechseln , aber länger ist zu hart für jeden. Wir hatten ja auch ordentlich Druck in den Segeln bei kontinuierlich 20-22 Knoten. Muskelkater ist vorprogrammiert. Gott sei dank sind die Nächte kürzer als in der Karibik denn wenn es hell wird steuert es sich leichter, weil man sich ein Ziel ausguckt. Mit großen Augenringen und mächtig Schlafmangel stehen wir den Tag durch. Da merkt man wirklich wie wichtig einem so ein Autopilot ist.
Tag 12:
Die letzten 100 Meilen müssen wir noch schaffen dann Anker werfen und erst mal ne Runde aufs Ohr legen. Aber es kommt wie es kommen musste am frühen Morgen setzt auch noch Regen ein. Normalerweise würden wir uns freuen da dann gleich das Salz von der Überfahrt abgespült wird. Normalerweise…. den ohne Autopilot müssen wir natürlich and Ruder und können nicht wie üblich von der Sprayhood aus in Regen schauen…. 😏
Die Azoren Insel Faial mit dem bekannten Hafen in Horta wird unser Anlaufpunkt sein. Die Berge kann man schon von 30 Meilen aus sehen.. mal schauen wenn wir dort so alles kennen. Treffpunkt der Atlantik Segler, einen kennt man immer😜
Gegen Mittag werfen wir den Anker in der Bucht von Horta. Die Segler die wir auf den Bermudas kennen gelernt hatten waren ebenfalls da und winkten uns schon von ihren Boote zu. Schön wenn man so empfangen wird.
Eigentlich würden wir gerne eine Hafenplatz in Anspruch nehmen, um das mit den Reparaturen so einfach wie möglich zu haben, aber hier gibt es nicht so viele und sie liegen hier schon im 4er Packet. Also 4 Boote aufeinander. Bist du das erste am Steg und willst weg müssen alle weg, und wenn es morgens um 4 ist. Bist du der letzte musst du über alle Schiffe drüber klettern um an Land zu kommen. Also vielleicht ist es doch besser auf dem Ankerplatz.
Nach dem einchecken sind wir erst mal in ein Fischlokal (hatten ja gar nix gefangen und eine große Lust auf Seafood) gegangen und haben uns die Bäuche voll geschlagen. Einen Wein von der Nachbarinsel (ja hier wachsen Trauben!) getrunken und dann noch den legendären Absacken in Peter’s Cafe (so was wie die Sansibar auf Sylt, man muss da gewesen sein) und dann ab in die Koje.
Ich würde mal behaupten das war die beste Nacht seit langem……..

2 Kommentare zu „Bermuda-Azoren 1.6.-12.6.19

  1. Hallo liebe Sabine und Janno “Jan” es ist immer wieder schön eure Beiträge zu lesen. Wir haben uns vor eineinhalb Jahren auf Martinique kennengelernt wo wir eine gemeinsame Fahrt nach St. Lucia machten auf der Gordons mit Marina und Jürg! Wie wir sehen seid ihr unterwegs ins Mittelmeer. Wir sind zur Zeit in unserem Haus in Spanien “Marbella” wäre schön wenn ihr bei uns vorbei schauen würdet. Würden uns freuen von euch zu hören. Seid herzlich gedrückt Vreny und Helmut 😘😘😘

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